Kolpingsfamilie St. Maximilian Kolbe

9. Juni 2009

„Arbeitskreis Brasilien“ tagt mit Interessierten in Duderstadt

Kolpingsfamilie Hannover-Mühlenberg spendet Partnerschaftsbanner

Unter dem Thema „Von der Überlebenshilfe zur Eigenverantwortung“ trafen sich am vergangenen Wochenende (5.-7. Juni 2009) Mitglieder des Arbeitskreises Brasilien mit Interessierten aus dem Kolping-Diözesanverband Hildesheim im Ferienparadies Pferdeberg in Duderstadt.


Teilnehmer vor dem Eingang des Kolping-Ferienparadies Pferdeberg

Im ersten Teil des Seminars informierte der Sprecher des Arbeitskreises, Martin Knöchelmann aus Harsum-Asel, über die Geschichte der Partnerschaft mit dem Kolpingwerk Brasilien. Die 15 Teilnehmer aus dem gesamten Diözesanverband – und ein Gast des Augsburger Kolpingwerkes – erfuhren zum Beispiel, dass im Rahmen einer Patenschaft seit 30 Jahren Geld gespendet worden ist, um den Armen in Brasilien zu helfen. Seit einigen Jahren hat sich hieraus eine Partnerschaft entwickelt, die unter anderem durch gegenseitige Besuche von Jugendlichen und Erwachsenen von und nach Brasilien gefestigt wird. So soll die Idee Adolph Kolpings von einem internationalen Kolpingwerk in Deutschland und in Brasilien weitergetragen werden.

Seit einem Jahr ist Clara de Moura Gomes aus Brasilien zu einem sozialen Praktikum beim Hildesheimer Kolpingwerk, um die Arbeitsweise der deutschen Bevölkerung und des Hildesheimer Diözesanverbandes kennen zu lernen. Wenn dieses Praktikum am 30. Juni beendet ist, wird Christoph Klose aus Göttingen, Diözesanleiter der Kolpingjugend Hildesheim, im Juli als das deutsche Gegenstück zu Clara ein einjähriges Praktikum bei Kolping in Nordost-Brasilien beginnen. Er wird dann auch die zehn deutschen Jugendlichen begleiten, die sich im Sommer 2009 zum dritten Workcamp in Brasilien aufmachen.

Clara berichtet aus ihrer Heimat

Im zweiten Teil des Seminars berichtete Clara, Präsidentin des Kolpingwerkes in Ceará in Nordost-Brasilien, über die Situation der Menschen und des Kolpingverbandes in ihrer Heimat:
Brasilien ist 509 Jahre alt und hat über 200 Millionen Einwohner. Der Kontakt zu Kolping besteht seit 40 Jahren. Seit 30 Jahren gibt es schon die Patenschaft mit dem Kolpingwerk Hildesheim, woraus sich die Partnerschaft entwickelte. Brasilien ist in 26 Länder aufgeteilt. In sechs von neun Bundesländern Nordost-Brasiliens gibt es 134 Kolpingsfamilien, die sich dort Gemeinden nennen. Zwanzig davon sind alleine schon in Ceará ansässig, wo Clara die Verantwortung mit anderen Vorstandsmitgliedern trägt. Das Kolpingwerk Hildesheim hat in den 30 Jahren ihrer Paten- bzw. Partnerschaft 3190 Projekte gefördert, so zum Beispiel den Bau von Zisternen, die Anschaffung von Wasserpumpen, den Kauf von Ziegen, die Züchtung von Bienen. Gerade die Wasserversorgung ist ein großes Problem. Im Sommer wird es bis zu 45 Grad warm und es gibt wenig Wasser. Oft regnet es bis zu elf Monate nicht, danach gleich mehrere Tage ununterbrochen. Das führt zu erheblichen Überschwemmungen, wie erst vor wenigen Wochen geschehen. Dann ist zumeist ein großer Teil der Ernte vernichtet und die Bevölkerung muss noch mehr hungern.

Clara berichtet aus ihrer Heimat
Clara de Moura Gomes zeigt Martin Knöchelmann ihr Heimatland in Nordost-Brasilien

Die Brunnen fördern salzhaltiges Wasser aus dem Boden, das für die Landwirtschaft, das Vieh und im Haushalt – außer für trinken und kochen – verwendet wird. Mindestens 70 Prozent der Bevölkerung ist sehr arm, denn nur wenige Großgrundbesitzer teilen sich das Land in Nordost-Brasilien. Nur zehn Prozent der Jugendlichen können sich ein Studium leisten. Die meisten von ihnen waren vorher auf einer Privatschule, die ebenfalls Geld kostet.

In Brasilien gab es eine Bevölkerungs-Explosion: Familien mit bis zu zwanzig Kindern waren keine Seltenheit. Inzwischen liegt aber der Durchschnitt einer Familie bei zweieinhalb Kindern, seitdem gesundheitliche Aufklärung ihre Wirkung zeigt. Es werden hierbei kostenlos Kondome und Antibabypillen verteilt. In manchen Städten kommt auf fünf Frauen im Durchschnitt nur ein Mann. Oft müssen sich die Mütter alleine um ihre Kinder kümmern, weil die Väter Frau und Kinder verlassen haben.

Obwohl die Kolpingmitglieder überwiegend sehr jung sind (in manchen „Gemeinden“ ist die Älteste erst 40 Jahre alt), bestehen bei den brasilianischen Kolpingsfamilien ähnliche Nachwuchssorgen wie in Deutschland. Hier wie dort sind diese Probleme überwiegend in den größeren Städten festzustellen. Das brasilianische Kolpingwerk führt viele Frauenprojekte zur beruflichen Aus- und Fortbildung durch, damit die Frauen eine Möglichkeit finden, Geld für den Lebensunterhalt ihrer Familie zu verdienen.

Gerhard Rejnowski übergibt Partnerschaftsbanner

Am Rande des Seminars überreichte Gerhard Rejnowski aus Ronnenberg-Empelde dem Diözesanleiter der Kolpingjugend, Christoph Klose aus Göttingen, ein Kolping-Banner. Es ist ein Geschenk der Kolpingsfamilie St. Maximilian Kolbe aus Hannover-Mühlenberg an die Kolpingjugend. Das Banner verbindet das Kolping-Zeichen mit den aufgenähten Nationalfahnen Deutschlands und Brasiliens und soll künftig als Symbol der Brasilienpartnerschaft Verwendung finden.

Gerhard Rejnowski übergibt Partnerschaftsbanner
Gerhard Rejnowski (links) überreicht Christoph Klose das Partnerschaftsbanner

Künftig mehr Kreativität im spirituellen Bereich

Die Einführung eines Tages der Partnerschaft, den die Kolpingsfamilien des Hildesheimer Diözesanverbandes und der Partnerbundesstaaten in Nordost-Brasilien künftig jährlich gemeinsam begehen, ist eines der konkreten Ergebnisse des Brasilienseminars in Duderstadt. Auch die Entwicklung eines zweisprachigen Gebetswürfels und spezielle Gottesdienste gehören zu den an diesem Wochenende entwickelten neuen Ideen.

Gerhard Rejnowski

Kolping
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Kolpingsfamilie St. Maximilian Kolbe
Artikel & Fotos: Gerhard Rejnowski, Kolpingsfamilie St. Maximilian Kolbe